Ernährung bei
Mund-Magen-Darm Mykosen

 

Pilze kommen, ebenso wie Bakterien ubiquitär vor und üben im Organismus der Natur vielfältige Funktionen aus. Der Mensch wird bereits bei der Geburt von verschiedenen Keimen, auch von Pilzen besiedelt und lebt mit ihnen in Gemeinschaft und werden von den Immunkräften des Menschen beherrscht. Es ist aber wichtig zu wissen, dass Bakterien natürliche Gegenspieler von Pilzen sind. Pilze, Bakterien und Immunkräfte des Menschen halten sich die Waage. Übertriebene Hygiene, der oft unbedenkliche Einsatz von Antibiotika, falsche Bekleidung (Kunstfaser) u.a.m. stören dieses Gleichgewicht oft in erheblichem Masse. Bakterien und/ oder Pilze können dann von den Immunkräften - v.a. wenn diese geschwächt sind - nicht mehr beherrscht werden und vermehren sich unkontrolliert.

 

Therapeutische Maßnahmen (durch den Arzt, Heilpraktiker) werden sich demnach darauf richten, die Abwehrkräfte zu stärken, die natürliche Bakterienflora zu regenerieren und wuchernde Keime (Pilze, Bakterien) zusätzlich zu schwächen. Diätmaßnahmen können die Therapie unterstützen, v.a. dann, wenn Pilzinfektionen des Magen-Darm-Traktes vorliegen.

Auch wenn den Pilzen natürlich das Leben schwer gemacht werden soll, ist ihr Aushungern keine Lösung, da sie bei Nährstoffmangel die Tendenz haben in tiefere Gewebeschichten, ja bis ins Blut hineinzuwachsen. Kohlenhydratentzug ist zwar im akuten Fall angebracht, aber auf Dauer sinnlos und schwächt den Organismus zusätzlich.

 

Diese Richtlinien dienen als allgemeine Ernährungshinweise bei Mund-Magen-Darmmykosen, ersetzen jedoch nicht den auf das Krankheitsbild abgestimmten Diätplan. Sie dürfen daher nicht ohne Rücksprache mit dem/r Diätberater/in angewendet werden

 

Allgemeine Richtlinien

 

v    Langsam essen, gut kauen und hinschmecken.

v    6-8 kleine Mahlzeiten, regelmässig über den Tag verteilt.

v    Extreme meiden, d.h. die Speisen sollten nicht zu heiss, zu kalt, zu sauer, zu fett oder zu scharf sein.

v    Geeignete Zubereitungsarten: Kochen, dämpfen, dünsten.

v    Ungeeignete Zubereitungsarten: Braten, backen, fritieren.

v    Die Lebensmittel sollen grundsätzlich von hoher Qualität sein. Empfohlen werden Lebensmittel aus biolo-gisch-dynamischem Anbau (Demeter), mindestens aber aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA).

v    Auf Frische und Reife ist zu achten.

v    Zu meiden sind: Konserven und Tiefkühlkost, stark verarbeitete/raffinierte Produkte, synthetische Zusatz- und Nährstoffe (Farbstoffe, Aromen, Konservierungsstoffe, Vitamine)

v    Die Ernährung sollte vorzugsweise lactovegetabil sein. Fleisch, Fisch, Eier und deren Produkte sollten gemieden werden. Bei Appetit auf Fleisch kann ab und zu mageres Rind- bzw. Geflügelfleisch aus artge-rechter Tierhaltung verzehrt werden. Die gesäuerten Milchprodukte sind zu bevorzugen.

v    Da Pilze von Kohlenhydraten leben, müssen alle leicht vergärbaren Kohlenhydrate oder Produkte damit vorübergehend völlig gemieden werden. Dazu gehören: Zucker, aber auch Sucanat, Honig, Dicksäfte, Ahornsirup etc., isolierte Stärke (Maizena, Mondamin, Weiss- und Ruchmehlprodukte), Früchte und Fruchtsäfte.

v    Komplexe Kohlenhydrate (z.B. Stärke) wie sie im Vollgetreide und Vollkornbrot vorliegen, sind für die Pilze weniger gut zu verwerten und schränken ihr Wachstum ein. Es kommt dabei aber sehr auf eine gut verdauliche Zubereitung an. Je nach Verdauungszustand kann das Getreide (am besten Thermogetreide) als Schleim, Suppe, Brei oder Grütze verzehrt werden. Vorquellen, kochen und nachquellen ist sehr wichtig. Entsprechende Zubereitungshinweise finden sich im Rezeptheft "Getreide-Zubereitung" des Arbeitskreises für Ernährungsforschung, Bad Vilbel. Von ganzen und rohen Körnern ist abzuraten.

v    Vollkornbrot ist zwar für die Ernährung wichtig, wird bei eingeschränkter Verdauung aber nur schlecht vertragen. Am Anfang muss es u.U. ganz gemieden werden. Stattdessen können Knäckebrot und ungesüßtes getoatetes Brot verwendet werden. Ein Brotmahlzeit können Sie auch ersetzen durch eine Mahlzeit mit einer Getreidesuppe, herzhafter Getreidebrei oder ein Müesli. Bei fortschreitender Besserung empfiehlt es sich, morgens/vormittags etwas Brot, vorzugsweise altbackenes oder getoastetes Backferment-Brot zu essen.

v    Weizengrassaft wirkt, entzündungshemmend und regt die Verdauungskräfte an. Wer keine Saftpresse hat kann auch folgendermassen vorgehen: Weizen ankeimen, dann in Erde "säen" und bis auf 6 cm hochwachsen lassen. 1-2 Wochen morgens und mittags täglich ein Büschel dieses Grases auskauen (Gras nicht schlucken), etwas Wasser oder Tee nachtrinken.

v    Gegartes Gemüse kann in beliebigen Mengen verzehrt werden (bei den sehr stärkehaltigen wie Kartoffel, Hokkaido-Kürbis usw. aber etwas zurückhaltend sein). Sofern der Zustand des Magendarmtraktes es zulässt, ist auch Rohkost als Zwischenmahlzeit oder im Rahmen der Gesamtmahlzeit zu empfehlen.

v    Im Frühjahr bietet sich der reichliche Verzehr von Wildgemüse und Wildkräuter (Brennessel, Löwenzahn, Sauerampfer u.a.) zur Stoffwechselstärkung an.

v    Milchsaures, v.a. als Getränk wie (verdünnter) Brottrunk und Molke, regt die Ausscheidungs- und Stoffwechselvorgänge an und unterstützt den Aufbau einer gesunden Darmflora.

v    Als Getränke können ungesüsste Kräuter- und Früchtetees, Molke, Brottrunk, Mineralwasser oder (selbst-gemachte) Gemüsebrühe, Malzkaffee dienen. Kaffee, Schwarztee, Alkohol und süsse Getränke sind zu meiden.

v    Gerstenwasser und Leinsamenschleim wirken harmonisierend auf die Darmfunktion. Um die Verträglichkeit von z.B. Gemüse zu verbessern, kann man dieses ca. 15 Minuten darin ziehen lassen.

v    Hefebrot, Hefepasten und Produkte die Hefeextrakt, sowie fermentierte Sojaprodukte (Miso, Sojasauce etc.) enthalten sind nicht zu empfehlen. Dabei geht es weniger um die Unverträglichkeit von Hefe selbst, als um die nicht erwünschte Anregung von Gärprozessen.

v    Auf gute Verdaulichkeit der Nahrungsmittel/Gerichte ist zu achten, da Fäulnis- oder Gärprozesse das Darm-milieu weiter beeinträchtigen. Unverträgliches soll daher zunächst ganz gemieden werden, bis sich der Verdauungstrakt etwas erholt hat. Dann können auch diese Proukte langsam wieder in die Kost eingeführt werden, um Einseitigkeiten zu vermeiden.

Diese Ernährungsempfehlungen dienen für eine Zeit von einigen Wochen im Rahmen einer therapeutischen Behandlung. Nach Abklingen der Beschwerden sollte langsam wieder zu einer normalen, abwechslungsreichen Vollwertkost zurückgekehrt werden.

 

Zur Tabelle: Was kann ich essen, was nicht?

 

Menü- und Rezeptbeispiele

 

Ó Johannes Kingma

Bad Liebenzell-Unterlengenhardt