Allgemeine Richtlinien zur Ernährung bei Leber-Galle-Beschwerden

Nachstehende Empfehlungen geben eine Orientierung, können aber die individuelle Beratung nicht ersetzen.

Neben den ernsthaften Leber- Galle-Erkrankungen gibt es Symptome, die auf eine Schwächung der Leber hindeuten. Diese können sein: leichte Ermüdbarkeit und Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Unwohlsein, Herabsetzung der Leistungsfähigkeit und Depressionen.

 

Man schätzt, dass 80% der Menschen in zivilisierten Ländern einen mehr oder weniger deutlichen Leberschaden haben.

 

Da die Leber das Hauptorgan des Stoffwechsels ist, schafft ihre gute Funktion eine Grundlage für die Vitalität.

 

v Was sind die Hauptaufgaben der Leber?

v stoffliche Umsetzungen, wie die Bildung und Absonderung der Galle, Erzeugung von körpereigenem Eiweiß, Verarbeitung der Fette und ihrer Neubildung aus Kohlenhydraten ( sie bildet Zucker aus Glykogen)

v  Auf- und Abbau von Cholesterin

v  Zentralorgan des Wasserhaushaltes und Salzstoffwechsels

v  Regulierung des Hormonhaushaltes

v  Entgiftung körperfremder Stoffe und körpereigener Stoffwechselprodukte

v  Vitamin- und Mineralstoffspeicherung

v  Beteiligung am Immungeschehen

v  Regulation des Blutzuckerspiegels

Die Leberzellen produzieren Galle, die in die Gallenblase oder direkt in den Darm zur Verdauung von Fett ausgeschieden wird. Die Gallenblase ist ein Hohlorgan, in dem Galle eingedickt und vorübergehend gespeichert werden kann. Neben Gallensäuren enthält die Galle Cholesterin, Gallenfarbstoff (Bilirubin), Schleimsubstanzen und Mineralstoffe, Gallensäuren dienen dem Darm dazu, die mit der Nahrung aufgenommenen Fette in feinste Tröpfchen zu emulgieren, um sie den Verdauungsenzymen zugänglich zu machen. Ändert sich die Zusammensetzung der Galle durch starke Eindickung oder Entzündung, kann es zur Bildung von Gallensteinen kommen.

 

Als Grundlage ist eine leichte schlichte Vollwertkost zu empfehlen.

Die Strenge der Diätvorschrift richtet sich nach dem jeweiligen Gesundheitszustand.

v  Rhythmische Lebensführung – „Rhythmus heilt“

 

Sowohl Erde und Kosmos als auch das ganze Leben im Menschen ist von Rhythmen durchzogen. Ebbe und Flut, Tag und Nacht, Sommer und Winter, Welken und Wachsen, Sterben und Geborenwerden, Wachen und Schlafen, Einatmen und Ausatmen - um nur einige zu nennen.  In alten Zeiten lebte der Mensch mit diesen Rhythmen im Jahres- und Tageslauf und fühlte sich darin geborgen. Die heilende Kraft eines rhythmischen Lebens in uns modernen Menschen wieder stärker bewusst werden zu lassen und in den Alltag zu integrieren, ist eine grundlegende Maßnahme, zur Steigerung unseres Wohlbefinden und unserer Gesundheit

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Ein sehr hilfreicher Gesichtspunkt dafür ist der sog. „Leber-Galle-Rhythmus“. Leber und Galle sind zwar ununterbrochen tätig, zeigen jedoch zeitliche Höhe- und Tiefpunkte in ihrer Wirkungsintensität.

 

Vormittags und um die Mittagsstunde wird mehr Galle gebildet als am Abend und in der Nacht. Das bedeutet, dass um die Mittagsstunde herum am besten verdaut werden kann, während später am Tag die Verdauungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.

 

Dafür kümmert sich die Leber in der Nacht mehr um den Aufbau der Körpersubstanzen. Selbstverständlich können junge, gesunde Menschen auch noch spät am Abend üppig essen, ohne Verdauungsbeschwerden zu bekommen. Ältere, geschwächte und leberkranke Menschen wissen, daß ihnen die üppige Spätmahlzeit nicht bekommt, denn der Leber-Galle-Rhythmus verläuft weitgehend unabhängig von den Mahlzeiten und den Lebensgewohnheiten.

 

Die volkstümlichen Sprichwörter sind sehr aufschlussreich in Bezug auf die Eingliederung der Mahlzeiten in den Tagesrhyth­mus: Käse, so heißt es, sei am Morgen Gold, am Mittag Silber und am Abend Blei. Denn „morgens ißt man am besten wie ein König, mittags wie ein Edelmann und abends wie ein Bettelmann“ oder „Kurzes Abendbrot macht lange Lebenszeit“ und „Langes Abendbrot macht dem Magen große Not“.

 

So unterstützt auch die Einstellung der Ernährungs- und Schlafgewohnheiten auf den 24-Stunden-Rhythmus von Leber- (Maximum 3 Uhr) und Gallensekretion (Maximum 15 Uhr) den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel. Damit ergibt sich folgende Mahlzeitenverteilung:

Morgens und am frühen Mittag werden die etwas üppigeren, herzhaften Mahlzeiten verzehrt, d. h. fett -und eiweißreich:

Frühstück mit Müsli, Brot mit Butter und Käse, Nußmuss, Kräuterquark (Also vormittags nichts Süßes!) aber auch mit saurem Obst (Grapefruit, Apfel, schwarze Johannisbeeren, etc.) und Bittertees (Tausendgüldenkraut, Mariendistel, Löwenzahnwurzel, Eberraute, Scharfgarbe, Schizandra Beeren),

Mittagessen mit Suppe, Salat und Getreidegerichten mit Käse, Quark oder Fleisch.

Nachmittags bis abends sollte mehr kohlenhydratreich gegessen werden:  leichtes Brot mit süßem Aufstrich oder Quark oder vegetarischem Aufstrich, Knäcke, leichte Getreidesuppe, Getreidebreie mit Obst oder Pellkartoffeln mit gedämpftem Gemüse. Die Hauptmahlzeit sollte also Mittags eingenommen werden. Für manche Menschen sind 5 bis 6 kleinere Mahlzeiten günstiger als drei große, wobei die Zwischenmahlzeiten aber klein bleiben sollten - z.B. einen Apfel, ein Schälchen Joghurt mit ein wenig Schlehdorn- oder Sanddornelixier oder ein Knäckebrot mit Aufstrich.

Was die Regelmäßigkeit der Mahlzeiten anbelangt, so hat eine Giessener Studie mit hochbetagten Menschen herausgefunden, dass sich diese positiv auf den Stoffwechsel auswirken. Natürliche Biorhythmen sorgen anscheinend für einen regelmäßigen Stoffwechsel.

 

Nachtruhe:  Der Schlaf ist unser bestes und billigstes Gesundheits- und Erholungsmittel, im Besonderen  der Vormitternachtsschlaf.

 

v       Wärme

Da die Leber ein Wärmebedürftiges Organ ist, sollte jede Mahlzeit mit etwas warmen beginnen (Suppe, Brühe oder Tee) .Auch gekühlte Speisen und Getränke direkt aus dem Kühlschrank schaden der Leber.

Die Speisen sollten gut gekaut, in Ruhe und langsam gegessen werden. Das erleichtert die Verdauungsarbeit.

Extreme wie kalt, heiß, süß, sauer, scharf sollten gemieden werden.

v       Getreide

Als Grundlage der Ernährung dienen die Getreide (Weizen, Reis, Gerste, Hirse, Roggen, Hafer, Mais). Bei der Umstellung auf die Getreideernährung ist es günstig, mit den leicht verdaulichen Getreiden wie Hirse, Reis, Mais (Polenta), und mit Thermogetreide zu beginnen. Es ist wichtig, ausreichend lange Einweich-, Koch- und Nachquellzeiten einzuhalten und gut zu würzen.

v       Früchte

Bei ernsthaften Leberschäden sind Früchte  vorübergehend zu meiden. Bei leichten Störungen werden Obst wie Heidelbeeren, schw. Johannisbeeren, Preiselbeeren, Schlehen, Papaya und milde Apfel vertragen. Sehr wohltuend ist Grapefruit (gelb) morgens evt. verdünnt mit Wasser , oder Kwasz (Brottrunk) ½ Std. vor dem Frühstück trinken. Vorsicht mit Birnen.

v       Eiweiß:

Der Eiweißbedarf wird am Besten durch pflanzliches Eiweiß gedeckt in Form von Vollkorngetreide, Kartoffeln, gesäuerte Milchprodukte (Sauermilch, Schwedenmilch, Magerquark, Joghurt).

Fester, sehr reifer Käse (z.B. Gorgonzola) sind schwerer verträglich. Besser verträglich sind Quark, Kräuterquark, Frischkäse, Hüttenkäse.

Der Fleisch —und Wurstverzehr ist weitgehend einzuschränken (tier. Eiweiß und Fette sind starke Belastungen für das Leber-Galle-System).Wenn Fleisch, dann eventuell 1-2 mal pro Woche mageres Rind- oder Geflügelfleisch aus artgerechter Tierhaltung.

Das Ei (ganz oder nur das Gelb) roh in einer warmen (ca. 75°C) Getreidesuppe oder Brei eingerührt ist sehr hilfreich bei Unterernährung, Gewichtsverlust und Verdauungsschwäche. Es kann als Diätkur über eine Periode von zwei bis vier Wochen täglich ein Ei auf dieser Weise verzehrt werden oder langfristig zwei bis drei Eier wöchentlich.

v       Fette:

Auf gute Qualität achten! Vorwiegend Fette pflanzl. Herkunft verwenden wie kaltgepresste Ole (Sonnenblumen-Distel-Oliven-Leinöl), Nussmuss (Mandel-, Haselnussmuss), Sesammuss auch Milchfett (Butter, Saline). Fette und Ole nicht erhitzen, lieber nach dem Kochen oder Dampfen hinzufügen.

Nüsse: Zu empfehlen sind süße Mandeln, Pinienkernen, Walnüsse und Sonnenblumenkernen. Haselnüsse werden öfters nicht vertragen. Nicht zu empfehlen sind Erdnüsse und Cashewnüsse.

Bei allen Nüsse muss sehr genau darauf geachtet werden, dass sie frisch sind : Ranzigkeit und Schimmelpilze sind Leberschädlich!

v       Was ist zu meiden?

v      Alkohol (Lebergift), Rauchen

v     Bemühen Sie sich alle Drogen und unnötige Arzneimittel zu vermeiden, ob Verschrieben oder rezeptfrei, gesetzlich oder illegal. Die meiste Drogen und Arzneimittel sind Leberbelastend.

v      Eiweiß- und Aminosäurenergänzungen.

v     Vermeiden Sie Aussetzung zu chemischen Dämpfen und Dünsten (Benzin, Lösungsmittel und so weiter)

v     Röststoffe, die durch gebratenes, gegrilltes, frittiertes entstehen.

v     blähendes Gemüse (Kohlarten, Hülsenfrüchte)

v      Dosenkonserven

v      unverträgliche Lebensmittel

v Weißer Zucker, Rohrzucker (kristallin) sollte ganz gemieden werden. Konzentrierte Süße in akutem Zustand ganz meiden. Bei Besserung der Zustand können natürlichen Süßungsmittel wie: Dicksäfte, Honig, Trockenfrüchte, Gersten- und Reismalz, Ahornsirup, Sucanat, Dattelsirup etc. in geringen Mengen verzehrt werden.

v     Steinobst wie Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche sind häufig unverträglich.

v    Kaffee , z. T. auch Getreidekaffee wegen der Rostung unverträglich (Malzkaffee ist verträglich)

v     Metallbelastung durch Kochgeschirr aus Alu, Kupfer, Zinn, Teflon gibt eine schleichende Vergiftung.

v      Tiefgefrorenes und Fertiggerichte

v     Extreme sind zu meiden wie kalt, heiß, süß, sauer, scharf, usw.

v      Leitungswasser in älteren Häusern können aus Blei sein, daher stehendes Wasser morgens erst aus der Leitung laufen lassen.

v       Was ist unterstützend?

v       Bitterstoffe unterstützen die Leber-Gallefunktion. Als Tee vormittags ¼ Std. vor der Mahlzeit wie z.B. Löwenzahn, Eberraute, Tausendgüldenkraut, Wermut, evt. auch Bittertropfen von Wala/ Weleda. Als Salat Endivien, Radicchio, Chicoree, - Im Frühling frische Kräuter wie Brennessel, Schafgabe, Wegerich, Scharbockskraut, Gänseblumchen, Giersch, Beifuss, Sauerampfer.

v Neben gesäuerten Milchprodukten wie Magerquark, Buttermilch, Joghurt, Schwedenmilch, Molke sind andere milchsaure Produkte z. B. Sauerkraut, milchsaures Gemüse, Kwasz oder Brottrunk (vor der Mahlzeit getrunken) sehr empfehlenswert. Sie wirken günstig auf die Darmflora.

v       Ananas und unreife grüne Papaya (evt. auch als Präparat Papayaforce  A. Vogel) können durch ihre eiweißabbauende Wirkung hilfreich bei Völlegefühl sein.

v       Aloe Vera Saft (ungesüßt)

v       Genügend Schlaf

v       Regelmäßige Verdauung

v       Langsam essen, gründlich kauen und gut hinschmecken. Eher weniger als mehr essen.

v       Würzen:

Zum Wurzen eignen sich viele Kräuter, besonders aber Doldenblütler (Dill, Koriander ,Kerbel, Kümmel), Lippenblütler (Rosmarin, Thymian, Majoran etc.) und vor allem  Kurkuma (wirkt Leberunterstützend, lockt den Gallenfluss an und wirkt Steinbildungen entgegen) und Schizandra Beeren (Asialaden, regen das Immunsystem an, Leberunterstützend).

Gewürze wie Zimt (in größeren Mengen leberschädigend), Pfeffer, Muskat und scharfen Curry meiden. Vorsichtig mit Knoblauch, Zwiebel, Meerrettich umgehen. Zitrone nur als Gewürz. Essig meiden.

v       Zubereitung:

v       Günstig: kochen, dünsten, dampfen

v       Ungünstig: braten, schmoren, rösten, frittieren, panieren, backen

v       Fette und Öle nicht erhitzen, lieber nach dem Kochen oder Dämpfen hinzufügen.

v       Teige in der Kombination Zucker, Fett, Eiweiß mit Stärke sind unverträglich (z.B. Mürbeteig, Blatterteig). Teige aus gekochtem Getreide sind verträglich.

v       Früchte und Gemüse sind in der Kombination schwerer verdaulich, außer Apfel

v       Nachspeisen werden bei Unverträglichkeit besser 2-3 Std. nach der Mittagsmahlzeit verzehrt.

v       Eine gewisse Schlichtheit der Speisen ist zu empfehlen und großen, üppigen Mischgerichte sind zu meiden.

v       Lebensmittelqualität:

Es sollten grundsätzlich qualitativ hochwertige Lebensmittel vorzugsweise aus biologisch- dynamischer Landwirtschaft (Demeter), sonst kontrolliert biologische Produkte (Bioland, Naturland) verwendet werden.

Diese Ausführungen werden in Kuerze noch ergänzt durch eine tabellarische Zusammenstellung

Ó Johannes Kingma, Diätist

Bad Liebenzell-Unterlengenhardt

 

Zu dieser Darstellung siehe auch "Verdauungsstörungen':

Heilmittel zur Selbstmedikation bei Störungen der Verdauung